City-News
Wenn Rostock schläft steigen sie ab
News vom 02.06.2026 - Stand: 02.06.2026 12:13
Während oben die Lichter ausgehen, inspizieren Mitarbeiter von Nordwasser einen fast 100 Jahre alten Mischwasserkanal tief unter der Straße. Eine Nachtgeschichte über Teamwork und Verantwortung.
Es ist 22:45 Uhr im Hansaviertel. Auf der Straße ist es ruhig, die meisten Fenster sind dunkel, der Verkehr ist fast verschwunden. Rostock schläft. Doch für ein Team von Nordwasser beginnt jetzt die eigentliche Arbeit. Mitten auf der Straße wird ein Dreibein über einem Schacht aufgebaut. Es sieht ein bisschen aus wie aus einem Technikfilm, ist aber vor allem eines: lebenswichtig. Daran hängen Personenwinde, Fallschutz und Sicherungssysteme. Denn gleich geht es zehn Meter tief hinunter – in einen der größten Mischwasserkanäle der Stadt. Warum nachts? Die Antwort ist pragmatisch und ziemlich einleuchtend: Oben wird der Verkehr nicht gestört. Und unten im Kanal ist weniger los. Wenn die Stadt schläft, fließt weniger Wasser aus Haushalten und Anschlüssen nach. Für die Kolleginnen und Kollegen, die dort unten arbeiten, macht das einen großen Unterschied.
Der Kanal unter der Dethardingstraße und Karl-Marx-Straße ist beeindruckend: rund 1.160 Meter lang, etwa 2,5 Meter im Durchmesser und gebaut in den späten 1920er-Jahren. Durch ihn fließt, was aus Küchen, Bädern und WCs kommt – dazu Regenwasser von Dächern, Straßen und versiegelten Flächen. Kurz gesagt: ein zentraler Teil der Infrastruktur, die jeden Tag funktioniert, ohne dass wir groß darüber nachdenken. Im nächsten Jahr wird der Kanal 100 Jahre alt. Jetzt soll geprüft werden, wie es ihm geht. Bevor jemand einsteigt, läuft alles nach klaren Regeln. Schutzausrüstung anlegen. Einstieg vorbereiten. Sicherungen prüfen. Kommunikation testen. Oben bleiben Rettungs- und Sicherheitsposten, unten gehen zwei Kollegen mit Licht, Kamera und Mikrofon in den Kanal. Jeder Handgriff sitzt. Es wird nicht viel geredet, weil alle wissen, was zu tun ist.
Genau das macht solche Einsätze möglich: Vertrauen. Niemand arbeitet hier allein. Während die beiden im Kanal Meter für Meter vorangehen, geben sie ihre Beobachtungen per Funk zum Kollegen oben im TV-Wagen weiter. Hier werden die Informationen erfasst, Bilder gesichert und der Zustand dokumentiert. Die Sicherungsposten oben beobachten den Einsatz permanent. Zusammen ist es Teamarbeit im besten Sinne. Für Außenstehende ist es ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz: dunkel, eng, feucht, technisch anspruchsvoll. Für die Kollegen aus dem Kanalnetz-Team ist es Teil eines Berufs, der viel mehr bedeutet, als man auf den ersten Blick sieht. Sie sorgen dafür, dass Abwasser sicher abfließt, Regenwasser bewältigt wird und eine Stadt verlässlich funktioniert – auch dann, wenn niemand hinschaut.
Als die Inspektion abgeschlossen ist, haben die Kollegen jede Menge Bild- und Datenmaterial gesammelt. Der Kanal ist dokumentiert, der Einsatz geschafft, alle sind wohlbehalten wieder oben. Es ist kurz vor fünf Uhr morgens. Während die Stadt langsam wieder aufwacht, endet für das Team eine lange Nacht. Die Menschen, die wenig später durch das Hansaviertel fahren, werden nichts mehr davon bemerken. Genau das ist vielleicht das größte Kompliment an diese Arbeit: Wenn alles funktioniert, bleibt sie unsichtbar. Aber ohne sie läuft nichts.
Link: www.nordwasser.de
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