Kolumne
November: URLAUB
Eintrag vom 05.11.2013
Männer und Frauen passen zusammen. Finden zumindest die Redakteure Nadine Klein & Tom Zerbe. Jeden Monat widmen sich die beiden kleinen Problemen aus dem Alltag.
Sie sagt: Endlich im wohlverdienten Urlaub angekommen ist natürlich seine erste Frage an der Rezeption "Können Sie mir den W-Lan Schlüssel geben?". War ja klar, dass ER noch nichtmal für eine Woche auf Handy & Co. verzichten kann. Ich ahnte schon was das für ein Urlaub werden wird. Während ich mich in der Sonne brutzeln lasse, ist ER mal wieder damit beschäftigt mit seinem Laptop zu spielen, E-Mails zu beantworten, Whats App Nachrichten zu verschicken, die piste-Internetseite zu pflegen oder irgendwelche Bilder hochzuladen. Aber je näher wir dem Zimmer kamen, umso schlechter wurde der Empfang und umso tiefer sank SEINE Laune. Nach gerade mal zwei Tagen, an denen er mit halben Oberkörper überm Balkon hing und mit Ipad und Smartphone versuchte etwas Internet zu fangen, konnten wir uns endlich den wichtigen Dingen im Urlaub widmen. Wir lästerten über die anderen Gäste, hatten Spaß beim Noten verteilen, freuten uns über das Wetter und klärten so wichtige Dinge wie: Wer schreibt die Urlaubskarten und wo zum Henker kann ich hier eigentlich shoppen gehen? So bleibt mir die Erkenntnis, dass ich mit IHM durchaus längere Zeit an einem Stück verbringen kann. Natürlich nur, weil ich so verständnisvoll bin. Aber das schönste Bild im Urlaub bleibt mir noch länger im Gedächtnis. Es war am letzten Abend, als ER in seinem Schlafshirt und Boxershorts auf dem Balkon stand, mit ausgestrecktem Arm, den halben Oberkörper in den Himmel gestreckt und mir dann zurief „Schatz ich habe Empfang“.
Er sagt: Wenn man das erste Mal gemeinsam in den Urlaub fährt, ist das für viele Pärchen quasi eine Zerreißprobe. Entweder man geht sich nach 24 Stunden auf den Sack und ist nur am Streiten oder man stellt fest, dass man sich nichts mehr zu sagen hat. Wobei das mit dem Streiten eher für die Mitreisenden interessant wird. Zum Glück kann aber auch das genaue Gegenteil eintreten. Wenn du merkst, dass Sie genau zu dir passt. Spätestens wenn man gemeinsam über mitreisende Touris lästern kann. Sei es über das übergewichtige Walross an der Poolbar, was merkwürdigerweise an einer Klamottenallergie zu leiden scheint und aussieht wie ein gekochter, fetter Hummer. Oder über die armen Animateure, die echt jeden Mist versuchen um mehr als fünf Leute in den Pool zum Sport zu bewegen. Wenn man nicht ganz bekloppt ist, guckt man sich das vorher einmal an und weiß: Wenn man da mitmacht, ist man Entertainmentprogramm für ALLE, die um den Pool herum liegen. Spätestens wenn ich mit ihr über unsere mitreißenden Pärchen lästern kann, weiß ich: Mit Ihr kann ich auch irgendwo in der Pampa sitzen, ohne Handy Empfang, mit kaputtem Auto und weit und breit keine Menschenseele - und trotzdem würden wir in dieser Situation lachen. Deswegen, und nur deswegen, ist es völlig ok, wenn sie nach der Landung genervt ALLE Mitreisenden, also Reihe 1 bis Reihe 27 lautstark darüber informiert, dass es den Kapitän und den Stewardessen scheißegal ist, ob jemand klatscht - schließlich sind wir auch nicht im Theater und ja, ich fliege wieder mit ihr in den Urlaub - egal wohin.