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Igelschutz: Rostock verbietet nächtlichen Betrieb von Mährobotern
News vom 07.07.2026 - Stand: 07.07.2026 09:39
Er ist klein, stachelig und als natürlicher Schädlingsbekämpfer ein überaus nützlicher und fleißiger Gartenhelfer – der Igel. Doch die nächtlichen Streifzüge werden dem Igel zunehmend zum Verhängnis. Genau dann, wenn er auf Nahrungssuche geht, drehen viele Mähroboter lautlos ihre Runden in Rostocks Gärten. „Da Igel bei Gefahr nicht flüchten, sondern sich zu einer Kugel einrollen oder für einige Minuten erstarren, sind sie den scharfen Klingen der Mähroboter hilflos ausgeliefert“, erläutert Dr. Christina Augustin, Sachgebietsleiterin Naturschutz im Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Friedhofswesen. Die Folge sind oft schwere bis tödliche Schnittverletzungen. Weil die Sensoren der Geräte die Tiere bisher nicht zuverlässig und rechtzeitig erkennen, hat die Universitäts- und Hansestadt Rostock hierzu am 11. Juni 2026 eine Allgemeinverfügung erlassen und folgt damit dem Beispiel anderer Städte. Um die Igel zu schützen, dürfen Mähroboter eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang und eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang des folgenden Tages nicht mehr in Rostocks Gärten und Grünanlagen fahren. Tagsüber können sie weiterhin genutzt werden. Ein kurzer Blick in die Hecken stellt dabei sicher, dass keine schlafenden Igel oder Jungtiere zu Schaden kommen.
Hintergrund der Maßnahme ist ein klares Alarmsignal für den stetigen Rückgang der europäischen Igelbestände. In Deutschland ist die Lage besonders ernst, wie aktuelle Studien des Bundesamtes für Naturschutz aufhorchen lassen. Mit einem Rückgang von 40 Prozent ist bundesweit fast jeder zweite Igel von der Bildfläche verschwunden. Den Ernst der Lage unterstreicht auch die Weltnaturschutzorganisation (IUCN). 2024 hat sie den Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) erstmals als „potenziell gefährdet“ eingestuft und damit auf die internationale Rote Liste der bedrohten Arten hochgestuft.
Dabei sind Mähroboter inzwischen längst nicht die einzige Ursache für diese alarmierende Bilanz. Auch das Nahrungsangebot der Igel schwindet. Denn Pestizide, die Folgen des Klimawandels und die zunehmende Lichtverschmutzung führen zu einem massiven Insektensterben – ein herber Verlust, da Käfer oder Larven stolze 90 Prozent ihres Speiseplans ausmachen. Parallel dazu verschwindet der natürliche Lebensraum der Tiere. Schottergärten, versiegelte Areale sowie Flächen ohne Hecken und Büsche bieten den Tieren weder Schutz noch Nahrung. Auch der Straßenverkehr fordert jährlich zahlreiche Igelleben. Klar ist: Igelschutz muss an vielen Stellen ansetzen. Die nächtliche Pause für Mähroboter kann das Igelsterben allein zwar nicht lösen, ist aber ein weiterer wichtiger Baustein, um den Rückgang der Bestände vor der eigenen Haustür aktiv auszubremsen. Um den Garten zu einem sicheren Zuhause für die Tiere zu machen, kann auch an anderer Stelle bestmöglich unterstützt werden. „Schon flache Schalen mit frischem Trinkwasser helfen sowohl dem Igel als auch anderen Tieren über heiße Tage hinweg. Duftende Wildblumenbeete oder Staudengärten sorgen zudem für ein abwechslungsreiches Insektenbuffet“, so Dr. Christina Augustin. Damit Zäune oder Mauern nicht zur Barriere werden und Igel ihr Revier sicher durchstreifen können, ebnen kleine Durchgänge wie Igeltunnel oder -tore den Weg für ihre Streifzüge. Auch eine naturnahe Gartenecke mit Laub- oder Reisighaufen bietet Schutz und ein gemütliches Plätzchen zum Überwintern. Hecken, locker aufgeschichtete Steinhaufen oder Holzstapel dienen zudem als perfekte Rückzugsorte und halten Wind und Kälte fern.
Foto: Pexels/Thor Romer
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