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KULTUR

| INTERVIEW

034

PISTE.DE

FELIX

LOBRECHT

Felix Lobrecht scheint sich gerade an einem Wendepunkt in seinem Leben zu

befinden. Einst als Poetry Slammer gestartet, tourt er erfolgreich mit seinem

ersten Solo-Programm „…kenn ick.“ durch Deutschland. Sein Romandebüt

„Sonne und Beton“ schlug ebenfalls ein wie der Blitz und ist im Rahmen des

Harbour Front Literaturfestivals für den Klaus-Michael Kühne-Preis nominiert,

mit dem das beste Romandebüt des Jahre ausgezeichnet wird. Im Juni begibt

sich der Neuköllner noch einmal zurück zu seinen Wurzeln und geht beim

Stadion Slam ins Rennen. PISTE traf den Autor und Comdian zwischen seinen

Norddeutschland-Auftritten in Lübeck, Schleswig und Bremen zum Frühstück.

GESTERN LÜBECK, HEUTE ABEND SCHLESWIG.

DU SCHEINST GERADE SEHR VIEL UNTERWEGS

ZU SEIN. WAS FÜHRT DICH NACH HAMBURG?

Ach, ich habe hier in der Schanze im Hotel

gewohnt. Ich mag es nicht besonders jede Nacht

woanders zu schlafen. Deswegen suche ich mir

immer eine Stadt in der Mitte und reise dann

quasi sternenförmig zu meinen einzelnen

Auftritten.

WENN MAN SICH DEINEN REISEPLAN

ANSCHAUT, MACHST DU IMMER WENIGER

SLAMS UND IMMER MEHR COMEDY.

Comedy mache ich halt eigentlich lieber, denn da

hab ich ein 90minütiges Programm und die Leute

sind nur wegen mir da. Beim Slam ist man einer

von Vielen. Bei Comedy nehm ich mein Mikro in

die Hand und quatsch einfach drauf los, beim

Slam lese ich vor. Das ist vom Setting her schon

etwas ganz anderes und die Erwartungshaltung

vom Publikum ist auch eine andere.

UND TROTZDEM BIST DU BEIM STADIONSLAM

AM MILLERNTOR DABEI...

Ja, das mache ich vor allem, weil ich den Kampf

der Künste immer cool finde. Aber ich denke, das

wird erstmal mein letzter Slam sein. Dieses 5-6

Minuten Format ist mir einfach inzwischen zu

kurz. Ich will frei sein auf der Bühne und das

machen, worauf ich auch Bock habe.

HEISST DAS DIE KAMPF DER KÜNSTE LEUTE

MACHEN ETWAS ANDERS ODER RICHTIGER ALS

POETRY SLAM ORGANISATIONEN IN ANDEREN

STÄDTEN?

Die ziehen halt konsequent ihr Ding durch. Ich

glaube, die haben relativ früh damit angefangen,

zu verstehen, dass die Leute die da auftreten, den

Abend machen. Das man sie gut behandeln

muss, ihnen zumindest ein bisschen Geld und

etwas zu Essen für ihren Auftritt gibt und sie nicht

bei irgend so einem Spinner in der WG auf dem

Sofa schlafen lässt. Ich sage zwar immer, dass

die Zuschauer bei einem Slam zum Format kom-

men aber sie kommen halt auch nur wieder, wenn

da einigermaßen vernünftige Leute auftreten. Ja

und dann sind sie einfach megagut in der City

vernetzt und kommen in alle krassen Locations

rein. Außerdem habe ich denen halt viel zu ver-

danken. Als ich noch unbekannt und auch echt

noch nicht so gut war, haben die mich immer wie-

der eingeladen und erkannt, dass ich etwas

kann.

APOPROS KRASSE LOCATION. MACHT DICH

DIE TATSACHE, DASS DER SLAM IM STADION

STATTFINDET NERVÖS?

Ein Stadion ist ne coole Kulisse aber besonders

nervös macht mich das nicht. Ich bin schon zwei-

mal in so einem Stadion aufgetreten, in Stuttgart.

Das hat Spaß gemacht, ich fand aber nicht es

eine besondere Herausforderung oder irgendwie

anders als andere Auftritte war.

DU WIRKST EIGENTLICH RECHT ERNST. WIE

HAST DU FESTGESTELLT, DASS DU MENSCHEN

ZUM LACHEN BRINGEN KANNST UND DAS

AUCH ZU DEINEM BERUF MACHEN

MÖCHTEST?

Ich hab irgendwann mal etwas geschrieben und

es meinem kleinen Bruder vorgelesen. Der fand

es lustig und wusste auch, dass es so etwas wie

Poetry Slams gibt. Und dann bin ich einfach auf-

getreten damit. Das war zwar aus heutiger Sicht

ein scheiß Text aber die Leute haben gelacht und

da war ich sofort angefixt von diesem Bühnen-

ding. Von da an habe ich angefangen, für die

Bühne zu schreiben. In den ersten zwei Jahren

war da allerdings auch ganz schön viel Schrott

dabei.

WENN DU HEUTE ALTE SACHEN VON DIR

SIEHST, LIEST ODER HÖRST IST DIR DAS

DANN MANCHMAL PEINLICH?

Richtig peinlich nicht. Das ist

ja kein Ausbildungsberuf.

Das bringt einem ja nie-

mand bei, zumindest hat

es mir niemand beige-

bracht. Es hat halt einfach

eine Weile gedauert, bis

ich es geschafft habe, die

Gedanken, die ich lustig

fand so zu formulieren,

dass sie wirklich auch so rüberkamen wie ich sie

gemeint habe und wie ich sie selber lustig finde.

HAST

DU

DENN

VORBILDER

IM

COMEDY-BEREICH?

Ich finde deutsche Comedy ehrlich gesagt meis-

tens ganz schön scheisse. Das ist unkreativer, uns-

marter, sexistischer und oft auch rassistischer

Scheiß. Aber es gibt auch ein paar Leute die ich

richtig gut finde. Beide Fälle nenne ich lieber

nicht, sonst vergesse ich noch jemanden. Aber

„the vast majority“ ist Schrott.

WIE GEHT ES BEI DIR JETZT WEITER?

Im Sommer wollte ich vielleicht ne Fortsetzung

von meinem Buch schreiben mal gucken. Ansons-

ten habe ich keine konkreten Pläne. Ich weiß nur,

dass mir das Spaß macht was ich gerade mache

und das ich damit weitermachen werde.

felixlobrecht.de