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Review: VÖK - VÖK

Review: VÖK - VÖK


Eintrag vom 29.08.2022 - Stand: 23.09.2022 16:33

VÖK – Das klingt ein bisschen, als wäre es etwas Unanständiges oder ein quietschgelbes Ikea-Regal. Allerdings handelt es sich hierbei um das isländische Wort für "Erwachen" und zugleich den Bandnamen eines Projektes, über das wir reden sollten.

VÖK - Drei Buchstaben, drei Bandmitglieder – und EINE Frage: Warum kennt die Keiner?

Das isländische Trio liefert nämlich bereits sein drittes Studioalbum ab und lief bis dato in Deutschland eher unter dem Radar. Nach "Figure" im Jahr 2017 und der 2019er Platte "In The Dark" sind die Musiker nun mit ihrem dritten Studioalbum zurück und erleuchten einen Weg für zukünftige Indie-Popmusiker. "VÖK", ihr gleichnamiges neues Werk, bietet für diejenigen, die mit dem Sound der Band vertraut sind, nicht viel Neues. Dennoch enthalten die zwölf neuen Lieder zu viel Gutes, zu viel Spezielles, um sie nicht zu besprechen. Elektro knallt auf Indie-Pop. Songs, die in der Regel angenehme Radiolänge haben. Was Margrét Rán singt, begleiten Einar Stef an der Gitarre und am Bass sowie Bergur am Schlagzeug. Jedes Instrument, jeder Synthesizer, jeder Vocoder der eingesetzt wird, klingt durchdacht und macht Sinn. Es öffnet sich eine Klangwelt, die vor Ästhethik nur so strotzt.

 



In der Singleauskopplung "Illuminating" schwebt Margrét regelrecht über den Noten und verleiht der träumerisch anmutenden Ballade mit ihrem Timbre den Vibe eines warmen Sommerwinds. "Dieser Song ist meinem wunderbaren Verlobten gewidmet und zeigt, wie die Liebe alles um einen herum zum Leuchten bringen kann, wie tausende Glühwürmchen, die in deinen Augen stecken”, so die Sängerin.

In "Miss Confidence" verwebt die Band funkige Strukturen mit synthethischem Pop und schafft so einen homogenen, eingängigen Mix, der gerne und oft über die Bar geht. Die Upbeat-Nummer stellt den Spruch "Harte Schale, weicher Kern" musikalisch dar – Ein selbstbewusstes Auftreten sagt nichts über innere Ängste aus.

In den Songs "Skin" und "Something Bad" wird's ein ganzes Stück atmosphärischer. Massive Attack und Björk klopfen an, beanspruchen den Klangraum aber nicht ausschließlich für sich. Das Trio sorgt dafür, dass Songs wie diese nahbar bleiben und nicht zu experimentell wirken. Margrét singt in "Skin": "I'm trying so hard to figure out myself - I'm going through a change now - Searching for a life I long to have". Die Haut wird zum Bild für einen Käfig, aus dem sie nicht entfliehen kann. Wenn mein Leben, meine Erfahrungen und mein Alter, aus mir einen Menschen macht, der ich nicht sein will, bin ich dann gefangen in meiner eigenen Haut?

VÖK liefern vielschichtige und selbstbewusste Popsongs, die eingefleischten Kulturradiohörern gefallen wird, aber auch denen, die musikalisch gerne mal über den Spoitify-Playlist-Tellerrand gucken. Einziger Punktabzug: Das letzte Drittel des Albums kann nicht ganz mit der Euphorie und Energie der vorhergehenden Tracks mithalten.

 

4 von 5 piste-Männchen für

VÖK – VÖK

erscheint am 23. September

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