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Review: Mahmood - GHETTOLIMPO

Review: Mahmood - GHETTOLIMPO


Eintrag vom 10.06.2021 - Stand: 11.06.2021 10:12

Wenn man die Musik fühlt, obwohl man kein einziges gesungenes Wort versteht, dann reden wir entweder über italienische Opern oder sommerlichen Italo Pop à la Zucchero und Eros Ramazotti. Dass in dem Urlaubsland auch extrem starke Hip Hop Acts am Start sind, mag den meisten Menschen hierzulande entgangen sein. Völlig zu Unrecht, wie das zweite Studioalbum des Musikers Mahmood beweist. Der Titel "Ghettolimpo" setzt Assoziationen an brennende Mülltonnen, Elend und übertriebene Härte in Texten frei. Ob das Niveau mal wieder tiefer hängt als Hüfthosen in den 90ern? SPOILER: Mahmood liefert dann doch ganz anderes Material, das nicht nur Hip Hop Fans gefallen wird.

 

Alessandro Mahmoud hat wenig mit seinen Rapper-KollegInnen gemein. Er ist offen homosexuell, singt und rappt in seinem Song "KLAN" (auch auf dem Album enthalten) darüber, wie er mit seinem Freund, in gewissen Stunden, zu einer Einheit verschmilzt. Auch stimmlich hat er so manchem Rap Artist etwas voraus: Er setzt seine einzigartige Stimme wie ein Instrument ein, dass er bis ins kleinste Detail studiert hat und beherrscht. Gekonnt tänzelt er zwischen tiefen, fast meditativen Notenverläufen und hohen Passagen, die er gekonnt und kraftvoll präsentiert. Unterstützt wird er dabei durch moderne elektronische Beats, die unter anderem von Dardust aka DRD produziert wurden. Der Songwriter und Produzent war bereits für Mahmoods Track "Soldi" verantwortlich, mit dem er 2019 den zweiten Platz beim Eurovision Song Contest und Platz 1 in den italienischen Singlecharts erreichte.



Mahmood's erstes Studioalbum schien hauptsächlich durch aktuellen Pop, R'n'B und Soul beeinflusst gewesen zu sein. Von seinem Erfolgsweg ist er auch in "Ghettolimpo" nicht abgekommen, doch schafft er es, sein musikalisches Spektrum noch zu erweitern. Mit "DEI", dem ersten Track des Longplayers, haut er direkt zu Beginn richtig rein - düstere Synthies, ein fetter Bass, und hypnotisierende Stimmen wie von einem Beschwörungstanz schaffen eine ganz eigenwillige Atmosphäre, die zum weiteren Hören nicht nur einladen sondern regelrecht auffordern. Der Titeltrack "GHETTOLIMPO" lässt dem Sänger Platz für ein unglaubliches Acapella-Intro, dass die Stärke seiner Vocals nochmal in Szene setzt. Der einzige nicht ausschließlich italienische Song auf der Tracklist heißt "KARMA". Die emotionale Nummer überzeugt mit einem Feature vom französischen Multitalent Woodkid. Hey Netflix, braucht ihr noch 'nen Track für eine eurer Serien? Könnte ganz gut passen! Apropos... seine Single "ZERO" wurde bereits für die gleichnamige Serie des Streamingriesen genutzt.

 

Fazit: "GHETTOLIMPO" ist guter Hip Hop, weil er eben keine Klischees bedient. Die vielschichtige Kompositionen sind modern und mitreißend inszeniert und sind es auf jeden Fall wert gehört zu werden, auch wenn man von dem Genre normalerweise eher abgeneigt ist.

 

4 von 5 piste-Männchen für

Mahmood – GHETTOLIMPO

erschienen am 11. Juni

 

Sie hier das Musikvideo zur Singleauskopplung "INUYASHA" -->

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