piste Lübeck 09/2021

PISTE.DE 021 WAHL | CITY NEWS Was das Wählen mit dem alten Juristengrundsatz „Wenn das jeder machen würde“ zu tun hat – und warum Nichtwählen als Protest keine ganz schlaue Idee ist. Und außerdem: Wer ein Recht hat, darf das ruhig mal anwenden WÄHLEN IST WICHTIG Wenn man es genau nimmt, dann ist jeder nur zu einem 80-Millionstel am Zustandekommen des Wahlergeb- nisses beteiligt. Ganz schön wenig, oder? Da kommen viele auf die Idee: Dann lohnt sich’s ja doch nicht. Aber es gilt eben der alte Juristen- grundsatz: Wenn alle so denken, dann wird niemand wählen gehen. Und man kann sich sehr sicher sein: Kleine und radikale Ideen bekommen ihre Wähler eher mobilisiert als die eher gemäßigten Ideen. Wer also eher die Vernunft siegen sehen möchte, sollte seine Stimme abgeben. Es gibt auch viele Menschen, die ihre Nichtwahl als Zeichen des Pro- tests sehen. „Seht, ich beuge mich nicht dem Diktat der Mehrheit!“ Nur ist es so: Warum jemand genau nicht gewählt hat, wird nirgends festgehal- ten. Ob der Strand gerufen hat oder ein politisches Statement damit abge- geben wird, kann man der Wahlbetei- ligung nicht ansehen. Dann doch lie- ber mit der Wahl ein echtes politisches Statement abgeben. Und schließlich sollte man sich bewusst sein: In vielen Gegenden der Erde kämpfen die Menschen darum, wählen zu können. Schon allein, um diesen Menschen nicht in den Rücken zu fallen, sollte man es zumindest erwägen. Wenn man schon mal ein Recht hat, dann kann man das ja ruhig ausnutzen. OB DER STRAND GERUFEN HAT ODER EIN POLITISCHES STATEMENT GESETZT WERDEN SOLLTE, SIEHT MAN DER WAHLBETEILIGUNG NICHT AN. 3

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