piste Lübeck 03/2020

032 PISTE.DE KULTUR | INTERVIEW Fotos: 1 Deichkind Wer das sagt? Porky von Deichkind. Und was er sagt? Das lest ihr hier. Aber der Reihe nach: Deichkind hat ein neues Album herausgebracht. „WER SAGT DENN DAS?“ heißt das und damit sind sie jetzt auf Tour. Wir haben mit Porky alias Sebastian Dürre über das Album gesprochen, über die Tour und was das mit ihren Hüten auf sich hat. piste Was ist das Besondere am neuen Album? Porky Es ist halt aus dem Jetzt. Manche haben ja einen Song, an dem sie zwei, drei Jahre arbeiten. So etwas machen wir nicht. Wir greifen immer Themen aus dem Jetzt, aus dem Tagesgeschehen auf und darüber schreiben wir. Das sind so 30, 40 Songs, davon haben es 17 auf’s Album geschafft. Wir machen immer so viele, dass es aktuell bleibt. Wenn ihr mitbekommt, dass Titel richtig abgehen – wie feiert man das? Naja, das bleibt abstrakt. Wenn du die Halle voll hattest, dann freut man sich eher. Oder wenn du Mega-Spaß, mit seinen Freunden zusammenzu- sein, wir sind alles erwachsene Kinder. Wie haltet ihr euch jetzt gerade fit? Wir haben seit drei Monaten dreimal die Woche Training – Boxen und Kondition. Die Tour ist ja sel- ber Bewegung, da ist es schon OK, wenn einer mal sagt: „Ich kann heut nicht mehr“ und einfach mal chillt, gerade, wenn so ein Probenmarathon ist. Aber naja, es gibt ja schwierigere Jobs als unsere. Wir machen, was Spaß macht, wir werden ver- pflegt. Es ist anstrengend, aber eigentlich auch geil: auf Tour sein, die Leute jubeln einem zu… so einen Klotz hinter dir hast, zwei Monate Proben, dann freust du dich. Dieses Gefühl „Uh, ich bin ein Star“ gibt es kaum bei uns. Ich würde mir wün- schen das zu genießen, aber meistens ist man schon wieder mit neuen Sachen beschäftigt, wenn ein Stück gut läuft. Es sind immer Momente, wo man nicht damit rechnet – wenn man zur Ruhe kommt, dann taucht es schon auf. Aber wir sind auch nicht die Typen, die sich egomäßig abfeiern. Eure Texte sind politischer, sozialkritischer als andere – wie kommt das? Es ist ja nicht alles kritisch. Es sind eher Eure Festivalauftritte im Sommer sind fast ausver- kauft … Das ist toll. Auf der einen Seite hab ich Schiss und denke: Fuck, ich muss abliefern! Auf der anderen Seite sag ich: Yeah! Let’s go! Die eigentliche Anstrengung ist ja jetzt der Monat Tour: 20 Shows in einem Monat. Die Festivalsaison ist was ganz anderes, da freut man sich schon vorher drauf, das ist die Belohnung für den ganzen Stress. Was anderes: Wie kommt’s zum Namen Porky? (seufzt) Es ist einfach ein bescheuerter Name, ich hab mir den nicht ausgesucht. Wir waren beim Bestandsaufnahmen und nur wenig Wertung drin. Als Autor nutze ich da etwas, was Deichkind per- fekt bietet: Da kann ich mich verstecken, um mich mit einer scheinbaren Haltung auch so durchzu- wurschteln. Wir schreiben halt darüber, was wir sehen. Wir schreiben ja eher über uns, wenig über Gefühle. Seid ihr vor einem Auftritt nervös? Ja. Total. Aber das vergeht dann irgendwann. Wir halten da zusammen und sind da unterschiedlich. Ich bin da vielleicht der Sensibelste. So eine Tour ist ja ein Ausnahmezustand. Aber es macht auch Grillen und da hieß es: Wir brauchen mal einen Spitznamen und dann hab ich „Porky“ gesagt, ohne mir Gedanken drüber zu machen. Und – plopp – hing der Name an mir. Vielleicht müsste ich mir mal eine geilere Geschichte ausdenken. Und wie kommt es zu euren Hüten? Wir haben natürlich Sponsoren, sonst könnten wir uns das gar nicht leisten und das ist deren Symbol – das sind so globale Netzwerke… (lacht) Das wäre doch mal ne Geschichte: Freimaurer-Lobbyis- ten, so Illuminatenmäßig. Das ist natürlich auch Quatsch. Es ist einfach eine ganz tolle Symbolik. Wer sagt denn das? AUF DER EINEN SEITE HAB ICH SCHISS: ICH MUSS ABLIEFERN! AUF DER ANDEREN SEITE DENKE ICH: YEAH! LET’S GO! 1

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