piste Lübeck 04/2019

032 PISTE.DE Fotos: ph | 1 United UrbanSoundz Entertainment | Interviews: Petra Haubitz KULTUR | INTERVIEW David Garrett Dj Tomekk „MEIN RITUAL IST ES, DIE GEIGE ZU STIMMEN“ „ICH MAG DJS, DIE NEN GUTEN BEAT HABEN“ Er gehört zu denen, die es geschafft haben, klassische Musik populär zu machen – David Garrett gilt ein bisschen als Klassik-Rebell. Mit seinen Violinenkonzerten füllt er ganze Konzerthallen und er wird gefeiert wie ein Popstar. Der er ja auch ist. Wir haben David Garrett vor seiner Jubiläumstournee „Unlimited“ getroffen, die ihn auch nach Norddeutschland führt. DJ Tomekk, einer der ganz Großen der Hip-Hop-Szene, war in Bad Segeberg, um sein neues Album vorzustellen. Gleich- zeitig war das die Vorparty für den Spring Break rund um Him- melfahrt in Bornhöved. Mit ihm haben wir uns über seine Musik, seine Vorbilder und seine Karriere unterhalten. Du läufst oft durchs Publikum. Ist das volle Konzentration? Es ist schon volle Konzentration. Allein schon, weil ich spielen muss, wenn ich gehe. Gerade, wenn’s etwas dunkler ist und wenn Schein- werfer auf mich gerichtet sind, muss ich schon sehr vorsichtig gehen, dass ich mich da nicht hinlege. Gibt’s für Dich Erlebnisse mit Fans, an die du oft zurückdenkst? Ich muss sagen: Wenn junge Men- schen kommen und von dem, was ich mache, motiviert und inspiriert sind, das ist immer wunderschön. Was meistens immer herzergrei- fend ist, ist, wenn Menschen krank sind und die mir schreiben, dass sie durch die Musik Energie und Kraft tanken. Das geht einem schon sehr nahe und bedeutet einem auch sehr viel. Gibt es für dich besondere Rituale vor Konzerten? Das Ritual fängt schon mal damit an, die Geige zu stimmen, ich glaube. Das Allerwich- tigste ist, dass das Instru- ment gut gestimmt ist und dass man sich ordentlich warmspielt. Und alles andere: Ich bin mir ziemlich sicher, da gibt’s kein richtiges Ritual. Junge Leute möchten auf die Pauke hauen und nicht so gern klassische Instrumente spielen… …Pauke ist ja ein klasissches Instru- ment (lacht) … …würdest du der Jugend sagen, dass sie mehr zu den klassischen Instrumenten greifen soll? Das könnte ich nie machen. Ich glaube eher, wenn man jemanden zu einem Kon- zert mitnimmt, klassi- sches oder Pop oder Rock, dass da durch die Erlebnisse und Eindrücke eine Neugier entsteht. Entweder es macht so (schnipst) oder es macht’s nicht. Und wenn’s nicht macht, dann soll man’s auch nicht erzwingen. Hast du noch Kontakt zu den Leu- ten von früher? Ja, mal mehr, mal weniger. Manche sind in Amerika, manche sind in Deutschland. Aber man läuft sich natürlich immer mal wieder über den Weg, klar. Bist du noch so cool wie früher? Ich bin viel cooler als früher. Jetzt muss ich mir nichts mehr beweisen und ich glaube, dass das viel bes- ser ist und viel erfüllender ist. Was sind deine größten berufli- chen Erfolge? Als ich 1991 angefangen habe, habe ich gar nicht gedacht, dass das überhaupt möglich ist. Es gab ja den Beruf „Hip Hop DJ“ damals nicht. Ich würde sagen: Der größte berufliche Erfolg ist, dazu beigetra- gen zu haben, dass „DJ“ so ein Beruf ist. Früher war das ja so: DJ ist wie die Klofrau. Das ist so ein Typ, der hängt in ´nem Club. Jetzt ist das so: „Oh, DJ, krass! Reist um die ganze Welt!“ Dass ich dazu meinen Beitrag geleistet habe, hätte ich nicht so mit gerechnet. Rätst du den Leuten, DJ zu werden? Ich rate den Leuten, alles zu versu- chen, wo ihr Herz Ja sagt. Mir hat am meisten gefallen, dass man als DJ die ganzen Leute, für die man spielt, eben miteinander verbindet, die so auf eine Schwingung bringt. Alles, was man mit Passion macht, dazu würde ich jedem raten. Hast Du Vorbilder? Ich hab natürlich Mentoren. Ich hatte ganz früh meinen ersten Men- tor, das war in Krakau, DJ Vitek. Dann war mein zweiter Mentor Curtis Blow. Der steht mit Mitte 60 noch auf der Bühne. Und mein per- sönlicher Hero ist James Brown. Was für Musik hörst du so privat? Verschiedene Musiken für verschie- dene Anlässe. Wenn ich im Büro bin, dann lass ich da immer Lieder laufen, ohne dass da jemand singt. Zum Beispiel Ravels Bolero ist so was – das ist so geil. Ich mag, wenn ich selber tanze, Musik, wo keine Vocals drauf sind, die können störend sein und ich mag DJs, die nen guten Beat haben. 1

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