piste Hamburg 06/2019

036 PISTE.DE KULTUR | ALL NACHT IM JUNI, SEPTEMBER UND DEZEMBER KOMMST DU IM DRITTEN JAHR NACH HAMBURG UND PRÄSENTIERST DEINE „ALL NACHT“ – JONDAL’S SPACE LOUNGE“ IM PLANETARIUM HAMBURG. WIE KAM ES ZU DIESER ZUSAMMENARBEIT MIT DEM DIREKTOR THOMAS W. KRAUPE? Thomas W. Kraupe wusste von meiner Existenz und meiner langjährigen Beglei- tung bei der TV Serie „Space Night“ (BR) in München. Die Serie wurde später zum Kult. Mit einem Partner haben wir die Musik damals verändert. Wir sind neue Wege gegangen mit Visualisierungen und so. Wir haben alles cooler gemacht, zeitgeistgerechter und ich habe die Vermarktung weiter angeschoben. Das wusste Thomas W. Kraupe und durch meine Arbeit sieben Jahre bei Klassik Radio war ich sechs Mal die Woche abends auf Sendung und das hat seine Spuren hinter- lassen. Da habe ich eine Symbiose aus Klassik und Elektronik gemacht und daraus entstanden die „Space Lounge“ und die Zusammenarbeit. WAS IST DAS BESONDERE AN DEINER „SPACE LOUNGE“ UND WELCHE ÜBERRASCHUNG HÄLST DU BEREIT? Ich möchte die Menschen Kopfkinomäßig mitnehmen auf eine imaginäre Reise, die sie sich vielleicht niemals leisten können, mit Musik, die niemand bisher so gehört hat. Wenn die Zuschauer die Augen schließen, nehme ich sie mit und sie hören den Sound. Es ist schon eine coole Mixtur aus Beats und Elektronik, aber mit den Einflüssen fremder Länder. Im Planetarium werde ich in den zwei Stunden musikalische Brücken bauen und versuchen, den Horizont der Zuhörer mit meiner Musik zu erweitern. Ich habe immer das Glück gehabt, ein offenes Publikum vor- zufinden und freue mich daher schon auf Hamburg. DEIN KÜNSTLERNAME „JONDAL“ ERINNERT INSIDER WIE MICH AN IBI- ZA. WAS VERBINDEST DU MIT DIESEM PARTY-HOTSPOT? Stimmt. Es gibt die Bucht „Cala Jondal“ auf Ibiza, die diesen Namen trägt. Das war und ist DER Treffpunkt der nationalen und internationalen DJ- und Musikpro- duzenten-Szene. Ein magischer Ort. Wer einmal dort war oder auch ist, der wird frühmorgens oder abends zum Sonnenuntergang die Magie für sich selbst einholen können. Die Steilküste hat eine rote Farbe, und das Wasser ist tintenblau. Wenn sich die Küste im Meer widerspiegelt erinnert das an Pelikantinte … das hat schon was. WIE FINDEST DU DENN HAMBURG? DU BIST JAWELTWEIT UNTERWEGS. KÖNNEN WIR MITHALTEN MIT INTERNATIONALEN HOTSPOTS DER CLUB- UND PARTY-SZENE? Auf jeden Fall. Hamburg kann nicht nur mithalten, sondern hat viele bereits überholt. Die Vielfalt an Möglichkeiten ist in Hamburg fantastisch und macht andere neidisch. DU BIST SEIT ÜBER 35 JAHREN IM A&R MUSIK-BUSINESS. ALS ARTIST- UND REPERTOIRE-MANAGER DER NATIONALEN UND INTERNATIONALEN MU- SIKBRANCHE STEHST DU ZWISCHEN DEN KÜNSTLERN UND DEM PLATTEN- LABEL. INWELCHE MUSIKRICHTUNG HAST DU WEN ALLES GEMANAGT? Mein Bereich ist die Elektronische Musik sowie Dance- und Pop-Musik. Im Laufe von über 35 Jahren in der Musikindustrie da triffst du „Gott und die Welt“. Das ist schon sehr umfangreich. Das waren so viel, dass ich die gar nicht aufzählen könnte. Begleitet und mit aufgebaut habe ich unter anderem Mel & Kim, Erasure, Depeche Mode und später La Bouche und viele weitere. DU HAST GOLD-, PLATIN- UND ECHO-AUSZEICHNUNGEN FÜR WELCHE MUSIK-PROJEKTE ERHALTEN? WELCHER AWARD HAT DICH AM MEISTEN GEFREUT? Ich hatte das Glück und habe später die Seiten gewechselt. Von der Schallplatten- seite bei Intercord oder Emi zum Beispiel zum Warner Musikverlag. Was mir die Möglichkeit eröffnet hat, direkt mit den Autoren und Produzenten zu arbeiten und kann gleichzeitig deren kreative Ergüsse allen Plattenfirmen anbieten. Das ist ein viel größeres Spektrum als in den Margen eines einzelnen Konzerns oder einer Firma zu arbeiten. Da wird man gefragt, wenn ein neuer Künstler kommt, „wieso brauchen wir das?“ Dann muss ich das Angebot absagen und musste Künstler laufen lassen. Aber die Messlatte war so hochgelegt. Wenn ein Künstler, nach jemandem Bekannten klingt, hat dieser Künstler keine Chance. Ich habe meinen besten Freund aus Frankfurt unter Vertrag genommen und habe meine Fäden ge- zogen und Weichen gestellt und La Bouche weltweit verkauft. Daraus resultierten Gold-, Platin- und Echo-Auszeichnungen. Die sind heute immer noch unterwegs, obwohl das in den 90erJahren stattfand. Diese Verkaufszahlen von 250.000 oder 500.000 Singles von damals werden halt heute nicht mehr erreicht. Es gab sogar eine Auszeichnung für den meist gespielten Song in den USA. Das hat mich am meisten gefreut. DU KENNST IBIZA, MIAMI UND ANDERE HOTSPOTS JA SCHON VOR DEM INSTAGRAM- UND FACEBOOK-ZEITALTER. WAS MEINST DU, HAT SICH AM MEISTEN POSITIV VERÄNDERT? Nach meiner Auffassung (und schmunzelt) kann sich jeder ein Urteil selbst ma- chen. Ich glaube, die ganze Welt und die Clubkultur hat sich verändert. Alles ist schneller geworden. BEI DIESEN ZAHLEN WIRD EINEM GANZ SCHÖN SCHWINDELIG: 92 CDS GEMIXT, ÜBER 750.000MAL VERKAUFT. PRÄSENT AUF ALLEN PLATT- FORMEN, ÜBER 3.400 STUNDEN RADIOPROGRAMM UND FAST 10 JAHRE MUSIC CONSULTANT FÜR DIE TV SERIE SPACE NIGHT (BR). WAS MACHST DU IN DEINER FREIZEIT? ODER ANDERS GEFRAGT: HAST DU ÜBERHAUPT FREIE ZEIT UND WENN JA, WAS MACHST DU DANN AM LIEBSTEN? Ich habe das Privileg, dass ich vor 13 Jahre aus der Großstadt München rauge- zogen bin. Seitdem wohne ich auf einen denkmalgeschützten Bauernhof mit Blick auf die Berge. Im Grünen. Sobald die Temperaturen auf über 20 Grad gehen, findet man DJ Jondal im Openair-Office. Es gibt Pferde hinterm Haus, einen Brun- nen und eine Gartendusche. Da laufe ich mit Flip Flops rum und hab mir mein eigens Ibiza-Feeling. Das heißt ich kann da laut Musik machen und kreativ sein. Das macht auch die Show in Hamburg aus. Das ist jedes Mal eine neue Show. Ich kreiere dort Mixe, die es nirgendwo auf der Welt gibt. Die kann man nicht kaufen oder runterladen, die werden von mir live dort verändert. Stücke, die die Menschen kennen und dann von mir hören, da bekommen die Leute Schnappat- mung, weil sie die Stücke so noch nie gehört haben. Und deshalb komm ich ja nach Hamburg. (und lacht) Neugierig geworden? In der Mixcloud könnt Ihr reinhören unter dj-jondal.de Interview: Ute Laukner DJ JONDAL IM INTERVIEW

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