piste Hamburg 04/2019

046 PISTE.DE AUF DER PISTE | INTERVIEW MIT JOHANN BOLL ALEX, SCHÖN, DASS DU UNSER APRIL-GAST FÜR EIN PAAR FRAGEN BIST. DU BIST IN DER HAMBURGER SZENE AKTUELL SEHR AKTIV AN VERSCHIEDENEN FRONTEN, DABEI BIST DU IM VERHÄLTNIS NOCH SEHR JUNG. 20 BIST DU JETZT GERADE GEWORDEN. DU BIST IN HAMBURG AUFGEWACHSEN? Sehr gerne, danke für die Einladung. Ja, das ist wohl wahr. Ich bin im März Zwanzig geworden, in Hamburg geboren und auch aufgewachsen. Ich liebe diese Stadt, sie ist mein Zuhause. Aber ich würde es auch nicht scheuen, zeitweise woanders Erfahrungen zu sammeln. WIE BIST DU IN DIE SZENE GEKOMMEN? WIE ZUR MUSIK? Mit 7 Jahren fing ich selbst an Schlagzeug zu spielen und mit 10 kam Klavier dazu – aller- dings nur für ein Jahr. Etwa mit 16 entdeckte ich meine Leidenschaft für elektronische Musik und setzte mich mit den Protagonisten der Szene aus- einander, die mich später in ihren Bann zog. Der Weg in die Szene bahnte sich im März 2016 an, als ich meinen 17. Geburtstag mit einem Freund zusammen feiern wollte. Ich bin im Jahr davor, meist durch Zufälle, öfters mal auf einem illegalen Rave gelandet und hatte dadurch schon einige Eindrücke gesammelt. Kurzer Hand beschlossen wir, unser eigenes Open Air unter der Brücke am Neuhöfer Damm zu veranstalten und das lief auch ganz gut. Die erste magische Nacht. „TANZ DICH HAI“ IST DEIN BABY, DEINE VER- ANSTALTUNGS-REIHE. DEINE ERSTE VERAN- STALTUNGSREIHE. WAS IST DA BISHER SO PASSIERT? „Tanz Dich Hai“ gibt es quasi seit Tag eins. Nachdem wir einige Open Airs unter eigenem Namen erfolgreich veranstaltet hatten, zog es uns in die Clubs der Stadt. Damals lernte ich Marlon Kaleß kennen, der im kleinen Pulverteich den Keller 25 betrieb. Mit seiner Hilfe haben wir damals den ersten Keller-Rave veranstaltet. Auf- grund von Lärmbeschwerden wurde der Keller kurze Zeit später dicht gemacht und unsere Reise durch die Hamburger Clublandschaft begann. Mittlerweile hat sich die Reihe positiv entwickelt und wir blicken auf etwa 30 Veranstaltungen mit über 150 verschiedenen Künstlern an 10 Veran- staltungsorten zurück. DU BIST DERWEIL AUCH FÜR DIE KLUB- NACHT UND EINIGE ANDERE VERANSTAL- TUNGEN AUF DER MS STUBNITZ VERANT- WORTLICH. WIE IST ES DAZU GEKOM- MEN? Damals, als der Keller 25 geschlossen wurde, standen wir ohne Räumlichkeiten für unsere Ver- anstaltungen da. Also habe ich einfach ein paar Locations angeschrieben und die MS Stubnitz begegnete uns mit offenen Türen und einem fai- ren Deal. Ich freue mich immer wieder auf dem Schiff zu sein und möchte an dieser Stelle ein- mal Felix grüßen, der dort seit einem Jahr hervor- ragende Arbeit leistet, größtenteils ehrenamtlich. Nachdem ich etwa zwei Jahre dort verschie- dene Formate ausprobiert habe, haben sich die Veranstaltungsreihen „Klubnacht“ und „An Bord“ herauskristallisiert. Klubnacht steht für straighten Techno und wir hatten bisher Gäste wie Oliver Deutschmann, Felix Lorusso, Paul Omen oder Yetti Meissner auf dem Kutter. Da es für ein ein- zelnes Kollektiv oft sehr aufwändig und auch risikobehaftet ist, ein Event selbst zu organisie- ren, beschloss ich, die Veranstaltungsreihe „An Bord“ zurück ins Leben zu rufen. Das Konzept kurz erklärt: 4 Kollektive teilen sich zwei Floors und gestalten musikalisch sowie optisch zusam- men eine Veranstaltung. An dieser Stelle ein Dank an alle Kollektive, die bisher mitgewirkt haben. WELCHER KÜNSTLER HAT DICH IN DER VER- GANGENHEIT AM MEISTEN INSPIRIERT? UND WARUM? Der Künstler, der mich in meinem näheren Umfeld definitiv am meisten inspiriert, ist Ansgar Üffink alias VARGO. Ich würde ihn als Pionier der elektronischen Musik bezeichnen. Vom Chill­ out kommend, zieht es VARGO derweil hin zum melodischen Techno und progressivem House. Ich habe ihn etwa vor zwei Jahren auf einer Party kennengelernt. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und bisher habe ich eine Menge von ihm gelernt. Mit seinen packenden Sets ist VARGO schnell fester Bestandteil unserer eigenen Partys geworden und daraus entstand in der letzten Zeit eine richtige Freundschaft. Darüber hinaus sind wir im Begriff, gemeinsam ein wirklich tolles Ding auf die Beine zu stellen, also Ohren auf. DEINE PLÄNE FÜR 2019? WAS STEHT NOCH AN? Da ich mich in der Musik- und Veranstaltungs- branche sehr wohl fühle, mache ich seit letztem Jahr eine Ausbildung zum Veranstaltungskauf- mann. Am 6. April findet die nächste „Tanz Dich Hai“ erstmalig im Yoko Club in Kooperation mit der Schabernack Crew statt. Bevor es am 1. Juni wieder zurück in den geliebten Waagenbau geht, entern wir im Mai die Fabrik im Gängevier- tel und machen da auf zwei Floors Party. Auch lege ich dieses Jahr unter anderem zum zweiten Mal beim Deichbrand Festival auf der Electric Island auf. Ansonsten wollen wir dahin zurück, wo es angefangen hat und den Leuten etwas in Form von kostenlosen Open Airs zurück geben. Ich wirke außerdem bei einigen tollen, unter- schiedlichen Projekten mit und freue mich auf jeden Gig, den ich dieses Jahr spielen werde. Ich genieße hier einfach die Zeit und mache weiter, solange es mir Spaß macht. 6 FRAGEN AN ... ALEX CARUSO

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