piste Hamburg 12/2018

KULTUR | INTERVIEW 032 PISTE.DE ERSTMAL GRATULATION ZUM 50-JÄHRIGEN BÜHNENJUBILÄUM. DAS IST NATÜRLICH EINE GANZ SCHÖNE LEISTUNG UND JETZT MACHST DU EINE DREISTÜNDIGE SHOW? Drei Stunden werden es wohl nicht. Wir machen auch eine Pause. Aber es wird schon eine ganz schön geballte musikalische Reise werden. Im ersten Teil machen wir eher die anspruchsvolleren Sachen und im zweiten Teil ist ein bisschen mehr Party-Feeling – mehr so die „Best of Scorpions“ und Hendrix. Im ersten machen wir Electric Sun und ein paar andere Sachen. Ich werde auch mit der Flamenco-Gitarre ein Stück spielen. DAS IST DIE ACHTSAITIGE GITARRE, DIE WIR EBEN BEI DEINEM SHOWCASE GESEHEN HABEN? Das ist eine Gitarre mit Nylon-Saiten, die total anders klingt, als eine E-Gi- tarre. Ich habe mich in meiner Jugend mit solchen Sachen beschäftigt. Manitas de Plata war ein Einfluss von mir. Er war damals der berühmteste Flamenco-Gitarrist. Der lebt jetzt nicht mehr. Er und seine Söhne haben damals die Gipsy Kings gemacht. Paco de Lucia hat das alles dann noch einmal auf eine ganz andere Stufe gehoben. Manitas de Plata war damals ein Weltstar. Picasso und Dali haben zu seiner Musik Bilder gemalt. Davon gibt es noch Filme. Er war derjenige, der Flamenco weltbekannt gemacht hat. Er hat extrem wild gespielt, nicht wie Paco de Lucia – total perfekt klassisch eingestylt. Ich fand das faszinierend und habe davon eine Menge gelernt. DU HAST DIE KREATIVITÄT VON DEINEM VATER IN DIE WIEGE GELEGT BEKOMMEN, ABER HAST DICH IRGENDWANN FÜR DIE GITARRE ENTSCHIEDEN. WIE KAM DAS? Mein Vater war ein künstlerischer Allrounder, der konnte fast alles. Er hat schon mit jungen Jahren den Poesiepreis, den Gorch Fock-Preis, gewonnen. Er konnte sehr gut Gedichte schreiben, er hat Balladen geschrieben, Ölge- mälde gemalt und gezeichnet. Das ist auf mich übergesprungen, als ich Ölgemälde malen wollte, da konnte ich das auch. Ich bin in einem künst- lerischen Umfeld aufgewachsen. Er hat mich zu Michelangelo, in den Vatikan geschleppt, zu David, danach war ich Michelangelo Fan. Mich hat die Renaissance inspiriert. WIE KAM ES EIGENTLICH ZU DEM BRUCH MIT DEN SCORPIONS? Das war kein Bruch, das war ein fließender Übergang. Erstmal hatte ich das der Band ein Jahr zuvor angekündigt. Meine Uhr war abgelaufen, ich schrieb Songs, die keinen Platz bei den Scorpions hatten. Ich wollte in eine Richtung, in der ich vollkommen frei war und in einer kommerziellen Welt ist man nie wirklich frei. Es ist natürlich auch ein interessanter Rahmen, zu versuchen, kommerzielle Sachen zu machen. Die Scorpions haben interna- tional sehr erfolgreiche Songs geschrieben. Das können nicht viele. Bei den Scorpions hatten wir vier Leute, die wirklich gut mit Melodien waren. Melodien können dir wirklich etwas wegschaffen und Qualität haben. Dass die Band einen riesigen Erfolg haben würde, war mir klar, nur das Ausmaß nicht. Ich wollte das nicht, nicht, dass ich etwas gegen Erfolg hätte, aber ich wollte auch ein bisschen Freiheit. Ich wäre unglücklich gewesen. HAT DICH DER ERFOLG DAMALS VERÄNDERT? Naja, so einen Erfolg wie die Scorpions hatte ich ja nicht. Auch, wenn ich in Amerika und England gespielt habe. Das hat mich aber eher unberührt gelassen. Trotzdem muss man sagen, dass das lange auf Tour sein und die ganzen neuen Leute, die man kennen lernt einen verändern. Die Gefahr kaputt zu gehen hatte ich zum Glück nicht, doch hatte ich auch ein paar Freunde, die daran kaputtgegangen sind. Also ich habe alles mal probiert, ich hatte meine fünf LSD-Tripps und die waren toll, aber beim fünften war es nichts Neues mehr. AM 18. DEZEMBER WIRST DU AN DEINEM GEBURTSTAG IN HAN- NOVER AUFTRETEN. WIRD ES EINE PARTY GEBEN? Eine Party ist nicht geplant, aber da werden schon viele Freunde und Bekannte kommen, auf die ich mich freue. Ich freue mich immer alte Freunde wiederzusehen. Hannover ist aber für mich ein Heimspiel, obwohl ich seit 40 Jahren in England wohne, denn die meisten Verwandten in Deutschland kommen nach Hannover wenn wir spielen. Hamburg ist trotz- dem meine Lieblingsstadt in Deutschland, vielleicht sogar in der Welt. Es gibt keine andere Stadt, mit der ich mich so verbunden fühle, wie mit Hamburg. Ich habe keine Ahnung, woher das kommt, aber es ist so. DA DU SEHR VIEL AUF TOUR BIST, KANNST DU ÜBERHAUPT SESS- HAFT WERDEN? Ja, aber immer nur für eine bestimmte Zeit. Ich bin wahnsinnig gerne zu Hause, ich lebe in Wales, in den Bergen. Dort sieht es aus, wie die Hin- tergrundlandschaft von „Herr der Ringe“. Es braucht recht lange, dahin zu kommen, aber wenn ich da bin, ist es Erholung pur. Ich habe einen großen Garten, ich liebe Gartennatur, da leben 12 Fasane und verschiedenste Tiere. Ich mache eigentlich nie Urlaub, denn unterwegs sein ist für mich ein bisschen wie Urlaub. HAST DU DORT AUCH EIN TONSTUDIO? Ja, das habe ich auch schon immer gehabt. Ich nehme auch gerne woan- ders auf. GIBT ES MUSIKER, MIT DENEN DU DIR NOCH EINE ZUSAMMENAR- BEIT VORSTELLEN KÖNNTEST? Wenn ich manchmal etwas höre, dann denke ich mir schon, dass es inte- ressant sein muss mit der Person zu arbeiten. Paul McCartney wäre echt toll, da ich früher gerne die Beatles gehört habe. In der Klassik gibt es aber einige, die ich interessant fände. ULI JON ROTH IM INTERVIEW

RkJQdWJsaXNoZXIy MzQxODIw