piste Hamburg 10/2018
KULTUR | INTERVIEW 026 PISTE.DE WANN BIST DU NACH HAMBURG GEZOGEN? Ende 1999, nach meinem Tourismus und Sprachen Studium in Heidelberg. Die Jahrtausendwende habe ich auf dem Dach von Angie’s Nightclub gefei- ert. Das war gleich mein erster Gesangsjob in Hamburg. Ein guter Start, um in die Szene zu kommen. WARUM HAST DU DICH FÜR HAMBURG UND NICHT ETWA FÜR BERLIN, LONDON ODER NEW YORK ENTSCHIEDEN? Das hatte ganz praktische Gründe. Meine damalige Musicalschule, die Stella Academy (später die Kaderschmiede Joop van der Ende Academy) war hier. Eine Stadt wie New York oder London hätte mich damals erschlagen. Mit Berlin habe ich wiederum immer wieder geliebäugelt. WIE KOMMT ES, DASS DU SO VIELE KREATIVE DINGE MACHST. WORAN HÄNGT DEIN HERZ AM MEISTEN? DU HAST JA SCHON DREI ALBEN PRODUZIERT. IST ES DER GESANG? Die Musik, der Gesang und das Songwriting sind schon meine großen Leiden- schaften. Aber ich mag es genauso, mich beim Konzepten kreativ auszutoben, beim Schreiben und im Artdesign. Mir wird schnell langweilig, wenn ich mich nur einer Sache widme und ich fühl mich ausgeglichen, wenn ich mehrere Anteile in mir anzapfe. WIE BIST DU ZUR MUSIK UND DEM SINGEN GEKOMMEN. HAST DU MUSIK STUDIERT ODER IST ES EINFACH EINE LEIDENSCHAFT? Als Kind sang ich liebend gern Nena Songs nach. Im Alter von 6 Jahren haben die Worte meiner älteren Schwester „Du kannst nicht singen“ dem Ganzen einen jähen Abbruch getan. Erst 10 Jahre später fing ich wieder an und bin per Zufall in eine Band gerutscht. Ich war anfangs sehr skeptisch als ich Lob für meinen Gesang bekam. Nach dem Abi wollte ich Musik studieren, war aber nicht mutig genug und hatte die Worte meiner Eltern im Ohr „Mach was Ordentliches“. Während meines Tourismusstudiums bin ich dennoch in die professionelle Musikszene gerutscht, dank einer Band namens „The Wright Thing“: eine Combo, in der sich etablierte Tour-Musiker, Popsternchen, Gospelgrößen und ein Xavier Naidoo tummelten. Der Bandleader förderte mein Talent. Von da an gab es keinen Zweifel mehr, dass ich mein Geld zukünftig mit Singen verdienen würde. AUCH DEIN DRITTES ALBUM „KAT“ BESTICHT DURCH SANFTE KLÄNGE. WAS HAT DICH ZU DEINEM PERSÖNLICHEN MUSIKSTIL INSPIRIERT? Es ist lustig, live gebe ich gern und gut Gas, zu Hause im stillen Kämmerlein kommt dann der ruhigere Teil in mir zum Vorschein. Besonders wenn ich allein am Klavier schreibe. Inspiriert bin ich einerseits von Soul und R’n‘B, anderer- seits von den weiten Gitarrenteppichen englischer Bands. Natürlich schaue ich auch was andere deutsche Künstler so treiben. WOHER HAST DU DEINE IDEEN FUR DAS NEUE ALBUM BEKOMMEN? Teils sind es die eigenen Geschichten, die ich verarbeitet habe. Teils sind es Beobachtungen des Zeitgeschehens. Manchmal greife ich ein Thema auf, was andere mir zuwerfen. Letzteres trifft bei „Heimat in dir“ zu. Da rief mir ein lieber Bekannter Begriffe wie Hafen, Kapitän und Heimat zu. Daraus und mit dem Wissen um seine Geschichte bastelte ich den jetzigen Song. IN DEM VIDEO VON DEINEM NEUEN ALBUM ZU DEINEM SONG „HEIMAT IN DIR“ ZEIGST DU DEN HAMBURGER HAFEN. IST DIES GLEICHZEITIG DEIN LIEBLINGSORT IN DER STADT? ODER HAST DU EINEN ANDEREN, GANZ PERSÖNLICHEN, FAVORITE-SPOT HIER IN DER STADT? Ich habe viele Lieblingsorte in der Stadt und ich freue mich wieder immer, Neue zu entdecken. Mein Lieblingsort vor der eigenen Haustür ist allerdings der Weiherpark in Eimsbüttel, meine grüne Oase, in der ich regelmäßig auftanke. WIE KAM ES, DASS DU DICH FÜR DEIN NEUES ALBUM FÜR CROWD- FUNDING ENTSCHIEDEN HAST? HATTEST DU FÜR DEINE BEIDEN ERS- TEN ALBEN NICHT VORHER EIN LABEL? Zuvor hatte ich immer allein die finanzielle Last getragen. Das konnte ich mir nach zwei in Eigenregie produzierten Alben nicht mehr leisten. Zudem hielt ich es für sinnvoll, potentielle Fans frühzeitig zu involvieren und mit auf die Reise zu nehmen, die eine Produktion ohne Zweifel ist. Mittlerweile habe ich mein eigenes Label und fühl mich sehr wohl damit, autark zu sein. ARBEITEST DU MIT FESTEN MUSIKERN AUF DER BÜHNE ODER FÜR DIE PRODUKTION DEINER ALBEN ZUSAMMEN? ODER WECHSELST DU AUCH MAL AUS? NACH WELCHEN KRITERIEN SUCHST DU AUS? Es gibt einen fixen Kreis an Musikern, mit denen ich live spiele und die an der CD-Produktion beteiligt waren. Neben der musikalischen Klasse ist mir beson- ders Zuverlässigkeit wichtig. Das Leben ist zu kurz, um sich über andere zu ärgern und auf sie zu warten. WAS IST DEIN GEHEIMNIS, WENN ES DARUM GEHT, SO VIELE DEI- NER KREATIVEN PROJEKTE UNTER EINEN HUT ZU BEKOMMEN? Oha. Ich würde mal sagen: Disziplin! Und die Fähigkeit, mich selbst gut zu organisieren. Ganz wichtig ist die Freude an dem was ich tue. Das gibt mir Kraft und den Drive immer weiter zu gehen. DU UNTERSTÜTZT DAS INKLUSIONSPROJEKT „ANDERSSEIN VEREINT“. WELCHE AUFGABEN HAST DU DABEI UND WIE IST ES DAZU GEKOMMEN? Mein damaliger Partner hatte die Idee, mithilfe von Musik für inklusive Themen zu sensibilisieren. Daraufhin habe ich „AndersSein vereint“ geschrieben, einen Song für mehr gesellschaftliches Miteinander. Ich bin sehr dankbar für die vielen inspirierenden und berührenden Begegnungen, die ich dadurch hatte. Zusammen mit dem Gebärdenchor „HandsUp“ veröffentlichte ich letztes Jahr ein weiteres Songprojekt, „Einfach mal gut“, und ich trete immer wieder gern mit ihnen auf. WENN DU EINE SACHE IN DEINEM LEBEN ÄNDERN KÖNNTEST, WAS WÄRE ES? Ich hätte gern eine multi-talentierte Assistenz oder einen Sparring-Partner an der Seite. Ansonsten bin ich sehr dankbar für mein Leben und die Menschen, die mich dabei begleiten. KAT WULFF IM INTERVIEW Die Wahl-Hamburgerin aus Lippstadt (Ostwestfalen), startet mit ihrem dritten Album derzeit durch. Am 3. Oktober gibt sie ein Konzert auf dem Spielbudenplatz bei Sound of St. Pauli und am 14. Oktober das Release Konzert in der Schanze im Altes Mädchen. © Oliver Nimz
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