piste Hamburg 01/2018

010 PISTE.DE CITY NEWS | PISTE PERSÖNLICH DU BIST DEM HAMBURGER-NIGHTLIFE QUASI SCHON EWIG VER- HAFTET. WARST UNTER ANDEREM HAUSTECHNIKER IM MOJO UND NUN BIST DU DER MEISTER FÜR VERANSTALTUNGSTECHNIK IN DER ELBPHILHARMONIE … WIE BIST DU ÜBERHAUPT ZUR MUSIK GEKOMMEN BEZIEHUNGSWEISE ZU DIESEM BERUF? SPIELST DU SELBER IN EINER BAND? Na logo – ich singe und spiele Gitarre bei den Honey Ryders. Wir machen britische Beat Musik und haben tatsächlich gerade Mitte November eine Single aufgenommen. Und zum Beruf bin ich damals Ende der 80er über eine Anzeige gekommen. Mein Studium hat mir zu dem Zeitpunkt nicht so gefallen und Musik war schon immer meine Leidenschaft. In Lüneburg haben die dann damals technisch begabte Musiker gesucht, die als Band-Roadie arbeiten. Da habe ich mich dann beworben und bin daraufhin auf viele Konzerte mitgefah- ren. Anfang der 90er war ich dann auch international mit „Culture beat“ unterwegs. Daraufhin habe ich dann als Freiangestellter bei Dezent P.A. begonnen zu arbeiten. 2003 hatte ich die Möglichkeit, als Ungelernter mei- nen Meister zu machen, da es zu dem Zeitpunkt mehr Schüler als Lehrer in diesem Bereich gab. Parallel habe ich bis 2012 im Planetarium gearbeitet und mich dort um die Technik gekümmert. Ende 2012 habe ich dann im Mojo begonnen und war dort bis zum Sommer 2015 tätig. Dann kam die Elbhilhar- monie … DAS HEISST, DU BIST HIER PROAKTIV RANGEGANGEN? Ich hatte bereits Kontakte zur Elbphilharmonie, da ich unter anderem Festivals für sie betreut habe und eigentlich schon mein ganzes Leben auch bei Konzer- ten für die Laiszhalle gearbeitet habe. Trotzdem habe ich auf die Ausschrei- bung gewartet, mich beworben und wurde nach einem Gespräch eingestellt. DIE TON-QUALITÄT IN DER ELBPHILHARMONIE IST JA WAHRSCHEIN- LICH EINER DER WICHTIGSTEN PUNKTE. MAN KOMMT BEREITS MIT HOHEN ERWARTUNGEN IN DEN SAAL UND RECHNET MIT DEM BES- TEN VOM BESTEN. WIE ZUFRIEDEN BIST DU MIT DEM SOUND? Es ist unterschiedlich. Es gibt Konzerte, bei denen ich richtig glücklich bin. Manche Sachen sind einfach schwierig. Unser Grundsatz lautet jedoch je weniger verstärkt desto besser. Trotzdem merkt man auch direkt, welche Künst- ler sich auf den Saal einlassen. Dazu gehört auch etwas Mut. Hinzu kommt noch die Aufregung … WIE SIEHT DENN DER ABLAUF BEI EUCH IM TEAM AUS? HABT IHR WÖCHENTLICHE MEETINGS? Ja schon, aber in unterschiedlichen Zusammensetzungen. Oft geht´s dann um die Programmgestaltung, ob es zeitlich passt und überhaupt umsetzbar ist. Bei dieser Art von Meeting sind wir als Technik-Team (um die 20 Mitarbeiter) jedoch nicht dabei. Für uns wird´s erst wichtig, wenn es zur technischen Umset- zung kommt. Eigentlich herrscht hier ein 24h-Betrieb. Schon vormittags beginnt es mit den Proben, dann die Shows am Abend, das Abbauen danach und wieder auf- bauen für die nächsten Proben am Morgen. Wir arbeiten jedoch nicht in Schichten, wie es oft üblich ist, sondern planen nur für die jeweiligen Veran- staltungen und holen uns dann auch teilweise externe Leute. WENN DU JETZT RESÜMIEREN MÜSSTEST UND IN DIE ZUKUNFT SCHAUST … DU HAST VIELE TOUREN GEMACHT, HAST AUCH BEI DEZENT INHOUSE GEARBEITET, IM MOJOS DANN WIEDER AM PULT. NUN SITZEN WIR HIER IN DER „ELPHI“, GUCKEN AUF DIE ELBE UND DIE SONNE STRAHLT … Ein Freund von mir sagt immer: Mehr geht nicht. Ich persönlich glaube, dass ich zu dem richtigen Zeitpunkt mit dem Tour-Leben aufgehört habe. Das Arbei- ten in der Nacht hat mir bis zum Schluss viel Spaß gemacht, wird jedoch nicht leichter. Auch heute mache ich noch das eine oder andere Konzert, wenn eine Anfrage kommt – so bleibe ich ja auch in Übung. Aber die Elbphilharmo- nie ist einfach ein toller Arbeitsplatz – nicht nur wegen der Sonne und der Elbe – sondern auch weil die Elbphilharmonie einfach die Elbphilharmonie ist. WIE HAST DU DENN ZU IHR GESTANDEN, BEVOR ES DEIN ARBEITS- PLATZ WURDE? Eigentlich eher positiv. Ich bin natürlich auch der Meinung, dass es letztendlich viel zu teuer war und einfach schlecht kommuniziert – das hätte absolut besser laufen können. Aber dadurch dass ich auch schon früher Festivals für die Elb- philharmonie gemacht habe, habe ich direkt gemerk, dass da richtig gute Leute arbeiten, die ein cooles Programm machen, und dass es einfach nach Hamburg passt. Die Elphi ist nämlich nicht nur etepetete, sondern für Jeder- mann. Jetzt, wo sie hier steht, muss man, finde ich persönlich, alles dafür tun, dass das Gebäude mit Leben gefüllt wird. TIMO DUMKE IM INTERVIEW Montagmorgen in der Elbphilharmonie. Das Hamburger Wetter zeigt sich von seiner Schokoladen-Seite und die Sonne scheint durch die Glasfassade in einer der Garderoben … Normalerweise sitzen hier die Stars der Show, die im Großen oder Kleinen Saal des Konzerthauses auftreten – doch heute dürfen wir hier exklusiv für die PISTE den Tontechniker Timo Dumke interviewen. Jahrelang tourte Timo Dumke mit diversen Bands/Künstlern um die Welt. Auch war er u.a. für die Technik im Planetarium zuständig und zudem hauptverantwortlicher Tontechniker im Mojo. Nun ist er seit Sommer 2015 der Meister für Veranstaltungstechnik in der Elbphilharmonie. Wir haben ihn ausgequetscht über seinen Beruf, wie er dazu kam und das Arbeiten in dem neuen Hamburger Wahrzeichen. „MEINE SCHWESTER ERZÄHLT GERNE: MEIN BRUDER HAT SEIN HOBBY ZUM BERUF GEMACHT.“ „MEHR GEHT NICHT!“

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